Das erste Wochenende auf See brachte dann den ersten Karaoke-Abend mit sich. Neben dem Singen sentimentaler Liebeslieder und dem Grölen alter Hits, ergaben sich aber auch einige gute Gespräche, die mir die Mentalität der Filipinos etwas näher brachten.

Schnaps, Rauch und Karaoke

Das erste Wochenende auf See, wir waren nun auf der Reise von Ipswich (UK) nach Point Lisas (Trinidad und Tobago), brachte dann den ersten Karaoke-Abend mit sich. Die Osteuropäer hielten sich hiervon geschlossen fern, somit war ich der einzige Nicht-Filipino in der feuchtfröhlichen Runde. Neben dem Singen sentimentaler Liebeslieder und dem Grölen alter Hits (was wir Deutsche aber deutlich besser beherrschen), ergaben sich aber auch einige gute Gespräche, die mir die Mentalität der Filipinos etwas näher brachten. Generell jedoch fühlte ich mich den Ukrainern deutlich näher, auch wenn man sich an den rauen Umgangston erst einmal gewöhnen muss. Was mir jedoch im Gegensatz zur asiatischen Crew gelang, die regelmäßig mit verstörten Blicken von den Standpauken der Offiziere zurückkehrten.

Da das Trinken von Alkohol an Bord zuvor nicht möglich war, staunte ich nicht schlecht als der Gefrierschrank an diesem Abend einen nicht enden wollenden Vorrat an Becks Bier und Fundador Whiskey ausspuckte, um die trockenen Kehlen der Sänger zu erfrischen. Zigaretten, die ebenso wie Alkohol zollfrei und somit spottbillig an Bord zu haben sind, wurden ebenso großzügig verteilt. Die Klimaanlage kam kaum hinterher mit dem Ventilieren, sodass ein dichter Dunst um unsere benebelten Köpfe waberte.

Hier erfuhr ich von Rolandos Hausbauprojekten. Dessen Eltern ihm, aus welchem Grund auch immer, den Zweitnamen Gagarin gegeben hatten. Das Haus wäre für sie bestimmt, er selbst brauche keines, da er selbst andauernd auf See wäre und seine Freundin als Zimmermädchen in Quatar arbeite. Kinder? Davon könne er nur träumen. Vielleicht in 5 Jahren, wenn er genug Geld hätte. Er ist außerdem ein großer Tierfreund, und hält sich neben vielem anderen vor allem Vögel und Hunde. Unser Bootsmann Rolando ist 40, wirkt aber noch sehr jung. Vincent schwärmt viel von seiner Heimat auf den Philippinen und legt mir ans Herz seine Familie dort zu besuchen. Gastfreundschaft würde in seinem Land sehr hoch gehalten, und erst ab einem Aufenthalt von mehr als einem Monat müsse man sich Gedanken machen wohin man als nächstes ziehe. Das klingt für einen passionierten Backpack-Touristen wie ich es bin sehr verlockend!

Außerdem bekomme ich allerlei Klatsch und Tratsch zu hören. Über die Offiziere, den deutschen Inspektor, den Kadetten vor mir, Petrow den ukrainischen Kadetten... Einige Stunden nach Mitternacht ziehe mich in meine Kabine zurück – denn in einigen Stunden habe ich meine erste Wache auf der Brücke.

Ich wache etwas spät, aber erstaunlich frisch auf, und nachdem ich meine Frühstückseier hastig herunter geschlungen habe, stehe ich pünktlich auf der Brücke: 07:50 Uhr.

Meine erste Wache mit dem Kapitän ist wenig anspruchsvoll, um nicht zu sagen langweilig, und außer einer Einführung bin ich auf mich allein gestellt und wühle mich durch die Bordbibliothek. Neben den altbekannten Publikationen, die sich an Bord jedes Handelsschiffes befinden, stoße ich auf den Ordner mit Schadensberichten. Auffällig: Auf so gut wie jeder Reise kommt es zu Ladungsschäden, allesamt beim Löschen in der Karibik.