Die Ankunft in Georgetown, der Hauptstadt des Südamerikanischen Landes Guyana, verschob sich immer tiefer in die Nacht. Der Lotse, den wir kurz vor der Küste aufgenommen hatten, wollte die steigende Tide abwarten, um kein unnötiges Risiko bei der Einfahrt einzugehen. Angekommen war er in einem langsamen Bötchen, das weder die korrekte Lichterkennung noch die nötige Leistung eines ordentlichen Lotsenbootes hatte.

Nachdem es irgendwie doch geschafft hatte zu unserem Schiff längsseits zu kommen, humpelte unser Lotse Harry an Bord und ich führte ihn auf die Brücke. Wir schlichen nun gemächlich mit der Tide in Richtung Hafen, und konnten beobachten wie das Wasser immer dreckiger wurde, während uns mehrmals Fischerboote gefährlich nahe kamen. Die Luft war trotz des bereits zwei Stunden zurückliegenden Sonnenunterganges noch geschwängert von Wasserpartikeln, und der geringe Fahrtwind den unsere ca. 7 Knoten Geschwindigkeit erzeugte, schaffte wenig Abhilfe.

Die Lichter werden schließlich immer heller, und uns steigen seltsame Düfte in die Nase. Ich bin inzwischen wieder auf dem Vorderdeck, um die Leinen vorzubereiten, und neben dem Geruch von altem Obst, Fisch und Fleisch, mischt sich auch ein beißender Rauchgeruch zu dem Strauß olfaktorischer Erlebnisse. Neben dem nahenden Markt, der sich beim Näherkommen als wohl vormals ziemlich ansehnliches Kolonialgebäude herausstellt, ist noch reger Betrieb. Musik und laute Stimmen sind zu hören. Außerdem gelegentlich der knatternde Außenbordmotor eines der sehr nahe an uns passierenden Holzboote. Die natürlich allesamt ohne Beleuchtung fahren, womit sie schwer auszumachen sind. Wir passieren weitere Duftwolken und mehrere Terminals, bis wir schließlich unsere Fahrt weiter reduzieren und an einem Kai festmachen.

Er ist stark beleuchtet und von zwei Reihen Stacheldraht umzäunt. Entweder hier wird etwas sehr kostbares verladen, oder diese Gegend ist nicht gerade sicher. Da wir nur Reis laden werden, und wir später zwei bewaffnete Wachleute bekommen, ist es eher zweiteres. Die eine ist eine sehr fest gebaute Frau, die ihre Pistole unter einer blauen Uniform verbirgt. Der andere hat ein abenteuerlich anmutendes Gewehr an der Seite baumeln, das ich ihm beim Besteigen unserer Isolde abnehme, da er über eine schmale Holzplanke an Bord balancieren muss. Dieses Schrotgewehr hat den Begriff Blechbüchse wahrhaft verdient, aber Cully versichert mir, dass es funktionieren würde.

Nach dem Festmachen hatte ich, wie in jedem Hafen, die Rattenbleche angebracht. Das sind viereckige Schablonen, die über die Seile gesetzt werden, damit keiner der kleinen Nager über die Festmacherleinen an Bord gelangen kann. Was ich bis jetzt für relativ unnötig gehalten hatte. Hier jedoch war ich sehr froh, dass wir die Bleche angebracht hatten, denn während meiner Nachtwache sah ich ständig kleine dunkle Schatten um einem halb zerfetzten Reissack herumschleichen. Das Wasser bot im Licht der Scheinwerfer keinen besseren Anblick, neben allerlei Plastikmüll, Obstresten und gelegentlichen Colaflaschen trieben auch mehrere aufgequollene Fisch- und Tierkadaver umher, was den Fäulnisgeruch des brackigen Gewässers erklärt. Stromaufwärts, so versichert mir jedoch Cully später, würde das dreckige Braun in ein tiefes Schwarz wechseln, was auf bessere Wasserqualität hindeutet. Gebadet wurde in der Brühe am kommenden Tag trotzdem, nur wenige Meter von unserem Liegeplatz entfernt. Die Bewohner Georgetowns sind, was Dreck angeht, wohl ziemlich abgehärtet. Cully wird dennoch nicht müde, die schönen Seiten seiner Heimat anzupreisen. Regenwald, kaum gefährliche Krankheiten, keine Wirbelstürme. Und eine der größten Holzkirchen der Welt, die St. Georgs Cathedral im Stadtzentrum. Nur wenige Minuten von unserem Liegeplatz entfernt.