An Bord unterscheiden wir unterschiedliche Wasserleitungstypen, welche farblich unterteilt sind. Grün- Grau- und Schwarzwasser. Grünes ist Trinkwasser, Grauwasser ist Abwasser von Spülen, und Schwarzwasser ist Abwasser der Toiletten. Das Wasser des Suriname River, den wir wenige Meilen hinauffahren um unseren Liegeplatz in Paramaribo zu erreichen, ist bräunlich.

Nach Regenfällen etwas aufgewühlter als sonst, aber die Farbe bleibt in diesen unteren Teilen des Flusslaufes dieselbe. Direkt neben unserem Liegeplatz befinden sich zwei Fischereianleger, mit je knapp 20 Booten, die in den frühen Morgenstunden von ihren Fahrten heimkehren. Dann bestücken sie die wartenden Kleinlastwagen asiatischen Ursprungs und chinesischer Eigner mit Frischfisch. Nach dem Löschen der Fracht steht die Morgentoilette an. Direkt von der Bordwand. Sowohl das große als auch das kleine Geschäft wird so direkt in den Fluss abgegeben. Privatsphäre scheint dafür nicht nötig zu sein. Danach werden Gesicht und Hände gewaschen, mit demselben Wasser. Und wenige Meter weiter ist ein Fischerkollege dabei, sich die Zähne mit ebendiesem zu reinigen. Egal ob Schwarz- oder Grauwasser, auf jedem Fall ist es Abwasser. Aber immerhin wirkt der Fluss noch sauberer als der in Georgtown.

Auch das Wetter bleibt zunächst freundlicher, zum Unmut der Crew. Die genießt nämlich in ihrer Freizeit den Luxus eines kostenlosen WiFi-Zugangs von der Firma, die wir mit Weizen und Sojamehl aus Belgien beliefern. Und da bei Regen der Löschvorgang eingestellt werden muss, wird dieser sehnlichst herbeigewünscht um den Zugang zum WWW möglichst lange zu erhalten. Der nächste Hafen würde das nicht bieten können. Am dritten Tage dann erfüllte sich unser Wunsch. Mit mächtigem Blitz und Donner brach ein tropisches Unwetter über uns herein. Wir mussten nicht nur das Entladen einstellen, sondern leider auch unsere Internetaktivitäten. Ein Blitz hatte das Firmengebäude getroffen und zu einem Kurzschluss geführt, der uns vom Strom und somit auch vom kabellosen Internetzugang abschnitt. Nun hatten wir also die erhoffte Verzögerung, jedoch ganz anders als gewollt. Auch meine Pläne einen Naturpark zu besuchen waren somit hinfällig, da auch der nächste Tag von drohend schwarzen Wolken beherrscht wurde. Die Stadt Paramaribo hatte ich mir bereits am ersten Tag angesehen. Schichtbedingt während der heißen Mittagszeit. Viele schicke Holzhäuser im kolonial angehauchtem Stil, eine wunderschöne hölzerne Kathedrale (renoviert mit EU-Geldern) und die holländischen Straßennamen zeugen vom europäischen Erbe der Hauptstadt Surinams. Die Unmengen an Kasinos und Chinashops zeugen von Gegenwart und Zukunft, die nur auf den ersten Blick glamouröser erscheint. Der Taxifahrer erzählt, die Casinos sollten Touristen locken, und haben Paramaribo den Titel "Las Vegas Südamerikas" eingebracht. Die Mengen an zahlungskräftigen Ausländern blieben jedoch aus, und so verzocken hauptsächlich Hausfrauen und Familienväter ihr Haushaltsgeld und Gehalt dort. Die chinesischen Geschäfte bieten eine große Bandbreite an Waren, es gibt sowohl Supermärkte als auch Klamottenläden. Zweitere mit vielen Markenklamotten, von Burberry über Polo bis hin zu Louis Vuitton. Die Echtheit darf in vielen Fällen jedoch angezweifelt werden. Das lokale Bier,  Parbo, trägt die Adjektive "justitia, pietas, fides" im Logo.  Das Wappen Surinams. Gerechtigkeit, Frömmigkeit, Treue. Und obwohl die Hersteller dem Grundrezept für Bier: Wasser Malz und Hopfen nicht treu blieben, schmeckt es gar nicht mal so übel. Jedenfalls für ein nicht-deutsches Bier.